Qualitätsstrategie in der Nutztierhaltung
Sowohl Handelspartner als auch Verbraucher legen heute großen Wert auf Transparenz und Verantwortung in der Lebensmittelproduktion. Dies gilt insbesondere für den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Antibiotika bleiben für die Behandlung bakterieller Infektionen unverzichtbar und erfordern daher einen durchdachten und sorgfältigen Umgang, um der Entstehung von Antibiotikaresistenzen gezielt entgegenzuwirken. Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit neuer antimikrobieller Wirkstoffe erfordert ein verantwortungsvoller Antibiotikaeinsatz gemeinsames Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Konsequente Überwachung und kontinuierliche Verbesserung
Die flämische Rinder‑ und Schweinehaltung hat sich dieser Herausforderung in den vergangenen Jahren aktiv gestellt. Der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika ist heute ein zentraler Bestandteil einer umfassenden Qualitätsstrategie, die Tiergesundheit, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit in den Mittelpunkt stellt. Tierhalter, Tierärzte und Behörden arbeiten dabei eng zusammen und setzen konsequent auf Prävention, gezielte Behandlungen sowie eine strukturelle Reduktion des Antibiotikaverbrauchs.
Ein wesentlicher Pfeiler dieser Strategie ist die konsequente Überwachung. Über Sanitel‑Med, die offizielle belgische Datenbank zur Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung, wird der Verbrauch auf Betriebsebene detailliert dokumentiert. Seit 2017 ist die Registrierung unter anderem für Schweine, Masthähnchen und Legehennen verpflichtend. Diese Transparenz ermöglicht eine gezielte Beratung und fördert kontinuierliche Verbesserungen. AMCRA, das belgische Wissenszentrum für Antibiotikaeinsatz und ‑resistenz bei Tieren, analysiert die Daten und unterstützt die Branche mit objektiven Erkenntnissen und praxisnahen Leitlinien.
Deutlicher Rückgang des Antibiotikaeinsatzes
Die Anstrengungen zeigen Wirkung. Seit der Gründung von AMCRA im Jahr 2012 ist der Antibiotikaverbrauch nachhaltig gesunken. Bei Mastschweinen lag die durchschnittliche Zahl der Behandlungstage bei zwei pro hundert Tage – ein Rückgang um 38 Prozent im Zeitraum von 2018 bis 2024. Bei Absatzferkeln wurde eine Reduktion um 29 Prozent erreicht, wobei hier durch verstärkte präventive Maßnahmen weiteres Optimierungspotenzial besteht. Zudem zählen 55 Prozent der Schweinebetriebe zu den Niedrigverbrauchern, während lediglich rund 9 Prozent zusätzlichen Betreuungsbedarf aufweisen.
Auch in der Rinderhaltung sind deutliche Fortschritte erkennbar. Dank der verpflichtenden Registrierung seit 2023 ist der Antibiotikaeinsatz transparent und messbar. Vorläufige Zahlen weisen auf weniger als einen Behandlungstag pro hundert Tage hin. Weiterer Optimierungsbedarf besteht insbesondere bei Kälbern unter drei Monaten sowie bei Mastkälbern.
Gemeinsam für weniger Einsatz und geringere Resistenzen
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die flämische Nutztierhaltung bewusst auf einen zukunftsorientierten Ansatz mit reduziertem und gezieltem Antibiotikaeinsatz setzt. Durch den konsequenten Fokus auf Prävention, Transparenz und Zusammenarbeit verfolgt der Sektor das Ziel, die von AMCRA definierten Reduktionsziele zu erreichen. Diese sehen bis 2030 unter anderem eine Reduktion des gesamten Antibiotikaverbrauchs um 70 Prozent gegenüber 2011 sowie eine Reduktion kritisch wichtiger Antibiotika um bis zu 90 Prozent vor. Damit leistet die flämische Nutztierhaltung einen aktiven Beitrag zur weiteren Reduktion von Antibiotikaresistenzen.